E-Mail-Marketing im E-Commerce: So bauen Sie eine Strategie auf, die wirklich Umsatz bringt

Von Robin Laseur

Fast jeder Shopify-Shop hat eine E-Mail-Liste. Die meisten holen nur einen Bruchteil dessen heraus, was darin steckt. Das übliche Setup: ein Pop-up zur Anmeldung, eine Willkommensmail mit Rabattcode und hin und wieder eine Campaign, wenn gerade Sale ist. Das ist keine E-Mail-Marketing-Strategie. Das ist eine verpasste Chance, die nur wie eine Strategie aussieht.
Shops, die E-Mail als planbaren Umsatzkanal behandeln und nicht als Lautsprecher, erzielen damit dauerhaft 30 bis 40 Prozent ihres Gesamtumsatzes. Dieser Umsatz entsteht nicht durch Spitzen nach einzelnen Campaigns. Er entsteht durch automatisierte Flows, die im Hintergrund laufen und in Echtzeit auf das Verhalten der Kunden reagieren.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie dieses System von Grund auf aufbauen: Listenaufbau, Wahl der Plattform, die wichtigsten automatisierten Flows, Segmentierung und die Kennzahlen, die Ihnen wirklich sagen, ob es funktioniert.
Das erfahren Sie in diesem Artikel:
Warum E-Mail-Marketing im E-Commerce trotz hoher Öffnungsraten meist enttäuscht
Wie Sie vom ersten Tag an eine Liste mit den richtigen Kontakten aufbauen
Die 5 automatisierten Flows, die jeder Shopify-Shop braucht
Wie aus einer allgemeinen Liste durch Segmentierung eine verlässliche Umsatzquelle wird
Welche Kennzahlen etwas über Ihr E-Mail-Marketing aussagen und welche nur im Report gut aussehen
Lesen Sie Schritt für Schritt, wie Sie E-Mail-Marketing aufbauen, das mit der Zeit immer mehr einbringt.
Warum die meisten E-Commerce-Marken E-Mail falsch angehen
Laut den E-Mail-Benchmarks 2025 von Klaviyo erreicht eine durchschnittliche E-Commerce-E-Mail eine Öffnungsrate von 37,39 Prozent. Das klingt zunächst gut. Der durchschnittliche Umsatz pro Empfänger liegt aber bei 0,10 US-Dollar. In dieser Lücke zwischen Aufmerksamkeit und Umsatz scheitert E-Mail-Marketing bei den meisten Marken.
Das Problem liegt im Aufbau. Marken bauen eine Liste auf, richten eine Willkommensmail ein und wechseln sofort in den Campaign-Modus: BFCM, Neuheiten, saisonale Aktionen. Die Automatisierung darunter, also die Flows, die das ganze Jahr über aus dem Verhalten der Abonnenten Umsatz machen, wird nie richtig aufgebaut.
Die Folge: E-Mail scheint zu funktionieren, weil die Öffnungsraten ordentlich sind. Tatsächlich trägt der Kanal nur 10 bis 15 Prozent zum Umsatz bei, während ein sauber eingerichtetes System 30 bis 40 Prozent bringt. Mehr Campaigns lösen das nicht. Ein besserer Aufbau schon.
Schritt 1: Qualität vor Listengröße
Die Größe Ihrer Liste allein sagt wenig. 5.000 aktive Abonnenten, die zu Ihrem Kundenprofil passen, bringen mehr als 50.000 Kontakte, die Sie an jeder denkbaren Stelle eingesammelt haben. Wer auf Ihrer Liste steht, entscheidet über die Wirkung jeder einzelnen E-Mail.
Ein echter Grund für die Anmeldung
Ein pauschales „10 % Rabatt auf Ihre erste Bestellung“ funktioniert, zieht aber vor allem Schnäppchenjäger an. Überlegen Sie, was Ihre Kunden vor dem Kauf wirklich wissen wollen: eine Größentabelle, einen Produktvergleich, frühen Zugang zu einer neuen Kollektion oder Wissen rund um Ihre Produktkategorie. Je konkreter der Anreiz, desto ernster das Interesse hinter der Anmeldung.
Anmeldung an den Stellen, die zählen
Pop-ups: bei Exit-Intent oder nach 30 Sekunden auslösen, nicht beim Laden der Seite
Checkout: Marketing-Opt-in für eingeloggte Kunden vorab anhaken (DSGVO-konform)
Bestätigungsseite nach dem Kauf: der Moment mit der höchsten Kaufbereitschaft, um weitere Einwilligungen einzuholen oder einen Upsell anzubieten
Produktseiten: besonders wirksam bei ausverkauften Artikeln, mit Benachrichtigung, sobald sie wieder verfügbar sind
Social Media und bezahlte Anzeigen: Traffic auf eine eigene Landing Page mit nur einem CTA leiten
Für Shopify-Shops gibt es Shopify Forms: ein kostenloses, integriertes Tool zur Listengewinnung, das direkt mit Ihren Kundendaten und mit Automatisierungen in Shopify Flow verbunden ist. Für Shops ohne eigene E-Mail-Plattform ist das der einfachste Einstieg.
Eine Liste, die dauerhaft wächst, braucht mehr als die erste Anmeldung. Ein Shop, der aktiv Neukunden gewinnt, sollte netto um 5 bis 10 Prozent pro Monat zulegen. Stagniert die Liste, kümmern Sie sich zuerst um die Gewinnung neuer Abonnenten, bevor Sie mehr Campaigns verschicken.
Schritt 2: Die richtige E-Mail-Plattform für Ihren Shopify-Shop
Die Plattform bestimmt alles, was danach kommt: welche Segmente möglich sind, wie weit Ihre Flows gehen können und wie genau Sie sehen, welcher Umsatz auf E-Mail zurückgeht. Im Shopify-Ökosystem dominieren zwei Plattformen.
Shopify Email | Klaviyo | |
Geeignet für | Kleine und junge Shops | Mittelgroße bis Enterprise-Shopify-Marken |
Kostenlose Version | Ja, 10.000 E-Mails/Monat | Bis 250 Kontakte |
Segmentierung | Einfach (Shopify-Segmente) | Fortgeschritten (prognostisch, verhaltensbasiert) |
Automatisierte Flows | Basis-Flows über Shopify Flow | Frei gestaltbar, mit mehreren Verzweigungen |
A/B-Tests | Eingeschränkt | Umfassend |
Auswertung | Einfache Berichte | Umsatz pro E-Mail und pro Flow im Detail |
Shopify-Integration | Nativ | Sofort einsatzbereit, die tiefste Integration am Markt |
Die Entscheidung hängt von der Größe Ihrer Liste und Ihren Zielen ab. Shopify Email ist ein guter Start für Shops mit weniger als 5.000 Abonnenten, die es einfach halten und alles in Shopify haben wollen. Klaviyo wird die richtige Wahl, sobald Sie nach Verhalten segmentieren, Flows mit Verzweigungen bauen oder genau sehen wollen, welchen Umsatz E-Mail über die gesamte Kundenbeziehung bringt. Die meisten ernsthaften Shopify-Plus-Marken arbeiten mit Klaviyo.

Schritt 3: Die 5 Flows, die jeder Shopify-Shop braucht
Automatisierte Flows sind der Motor einer E-Mail-Marketing-Strategie, die Umsatz bringt. Eine Campaign erzeugt eine Spitze und flacht dann ab. Ein Flow bringt gleichmäßig Umsatz, weil er auf das Verhalten Ihrer Kunden reagiert. Gut aufgesetzt stehen Flows für 30 bis 40 Prozent des gesamten E-Mail-Umsatzes, ohne dass Sie nach der Einrichtung noch eingreifen müssen.
Diese fünf sollten Sie vor allem anderen aufbauen.
1. Willkommensserie
Trigger: Ein neuer Abonnent trägt sich in Ihre Liste ein.
Keine andere Automatisierung bringt pro E-Mail so viel. Ein neuer Abonnent ist nie wieder so neugierig und so kaufbereit wie jetzt. Die Willkommensserie stellt Ihre Marke vor, löst den Anreiz ein, für den sich jemand angemeldet hat, und macht ein Angebot für den ersten Kauf. Laut den Automatisierungs-Benchmarks von Klaviyo bringt ein durchschnittlicher Willkommens-Flow 2,65 US-Dollar pro Empfänger. Bei den besten 10 Prozent bestellen 10,53 Prozent der Empfänger.
Aufbau: 3 bis 5 E-Mails über 7 bis 10 Tage. E-Mail 1 löst den Anreiz ein. E-Mail 2 erzählt die Geschichte und die Werte Ihrer Marke. E-Mail 3 bis 5 zeigen Bestseller, Kundenstimmen und ein zeitlich begrenztes Angebot für den ersten Kauf. Passen Sie den CTA daran an, ob der Abonnent bereits gekauft hat.
2. Warenkorbabbruch
Trigger: Ein Kunde legt etwas in den Warenkorb, beginnt den Checkout und geht, ohne zu kaufen.
Diesen Flow richten fast alle ein, und fast alle setzen ihn schlecht um. Standard ist eine E-Mail nach 24 Stunden mit einer allgemeinen Erinnerung. Besser ist eine Serie aus 2 bis 3 E-Mails. Die erste geht 1 Stunde nach dem Abbruch raus, solange das Interesse noch frisch ist. Die zweite folgt nach 24 Stunden, mit Dringlichkeit oder Kundenbewertungen. Die dritte nach 72 Stunden, mit einem kleinen Rabatt, wenn die Marge es zulässt.
Laut Klaviyo erreichen Warenkorbabbruch-Flows Öffnungsraten von 35 bis 40 Prozent. Allein die erste E-Mail konvertiert zu 15 bis 20 Prozent.
3. Produkt angesehen, nicht gekauft
Trigger: Ein Abonnent sieht sich eine Produktseite an, legt aber nichts in den Warenkorb.
Selten genutzt und unterschätzt. Dieser Flow erreicht Kunden früher, noch in der Orientierungsphase, bevor sie weit genug sind, um etwas in den Warenkorb zu legen. Am besten funktionieren 1 bis 2 E-Mails ohne Rabatt, einfach eine freundliche Erinnerung an das Produkt, das sie sich angesehen haben. Viel Volumen, wenig Aufwand bei der Einrichtung. Daten von Klaviyo zeigen Öffnungsraten von 30 bis 35 Prozent und eine Konversionsrate von 3 bis 5 Prozent.
4. Nach dem Kauf
Trigger: Ein Kunde schließt einen Kauf ab.
Nach dem Kauf hören die meisten Shops bei der Bestellbestätigung auf und lassen damit Geld liegen. Ein durchdachter Flow nach dem Kauf hat zwei Aufgaben: Zweifel am Kauf ausräumen und den nächsten Kauf anstoßen. Der Ablauf: Bestellbestätigung (transaktional), Produktwissen oder Anwendungstipps, eine Empfehlung passend zum Gekauften und 14 bis 21 Tage nach der Lieferung eine Einladung zum Treueprogramm oder zum Weiterempfehlen.
5. Win-back
Trigger: Ein Abonnent hat seit 90 Tagen oder länger nichts geöffnet oder angeklickt.
Inaktive Abonnenten drücken die Zustellbarkeit für Ihre gesamte Liste. Ein Win-back-Flow versucht, sie zurückzugewinnen, bevor sie aussortiert werden. 2 bis 3 E-Mails: Die erste spricht die Funkstille an und bietet etwas von Wert, die zweite stellt eine direkte Frage („Noch interessiert?“), die dritte ist die letzte Chance, bevor Sie die Adresse abmelden. Laut den Benchmarks von Klaviyo liegen die Öffnungsraten von Win-back-Flows bei 25 bis 30 Prozent, und 5 bis 8 Prozent der Empfänger werden wieder aktiv.
Wie Sie diese Flows mit Verhaltensdaten aus Shopify selbst füttern, lesen Sie in unserem Leitfaden zu Shopify Customer Events.
Schritt 4: Erst segmentieren, dann mehr versenden

Erst durch Segmentierung wird aus einer Mailingliste eine E-Mail-Marketing-Strategie. Dieselbe Campaign an die ganze Liste zu schicken, ist bestenfalls ineffizient. Schlimmstenfalls bringen Sie Ihren besten Kunden bei, Sie zu ignorieren.
Laut Mailchimp erzielen segmentierte Campaigns eine um 14,31 Prozent höhere Öffnungsrate und eine um 100,95 Prozent höhere Klickrate als Versände an die ganze Liste. Dieser Unterschied summiert sich mit jeder Campaign, die Sie verschicken.
Starten Sie mit diesen drei Segmenten
Aktiv (30/60 Tage): Abonnenten, die in den letzten 30 bis 60 Tagen etwas geöffnet oder angeklickt haben. Schreiben Sie ihnen häufiger, testen Sie neue Inhalte und nutzen Sie diese Gruppe als Maßstab für Ihre Betreffzeilen.
Nachlassend (60–90 Tage): Abonnenten, die langsam abdriften. Holen Sie sie mit wertvolleren Inhalten zurück, bevor sie im Win-back-Flow landen.
Käufer und Nichtkäufer: Wer noch nie gekauft hat, braucht eine andere Botschaft als ein Stammkunde. Trennen Sie Ihre Campaigns entsprechend.
Sobald Sie mehr Daten haben, kommen Segmente nach Kaufverhalten dazu: aus welcher Kategorie jemand gekauft hat, wie oft und mit welchem durchschnittlichen Bestellwert. Je feiner die Segmentierung, desto relevanter die Botschaft und desto höher der Umsatz pro Empfänger.
Schritt 5: E-Mails, die wirklich geöffnet werden
Strategie und Aufbau schaffen die Voraussetzungen für Umsatz. Verkaufen muss der Text. Ein paar Grundsätze, die wirksame E-Commerce-E-Mails von denen unterscheiden, die ungelesen bleiben.
Betreffzeilen: Neugier oder Nutzen, nicht beides
Halten Sie Betreffzeilen unter 40 Zeichen, damit sie auf dem Smartphone vollständig angezeigt werden. Schreiben Sie sie wie einen normalen Satz, nicht wie eine Schlagzeile. So wirken sie wie eine Nachricht von einem Menschen, nicht wie ein Rundschreiben aus der Konzernzentrale. Testen Sie Betreffzeilen, die neugierig machen, gegen solche, die den Nutzen nennen: Welche gewinnt, hängt von Zielgruppe und Anlass ab. Der Vorschautext ergänzt den Betreff und wiederholt ihn nie.
Mehr „Sie“ als „wir“
Verwenden Sie „Sie“ doppelt so oft wie „wir“ oder „ich“. Jeder Satz sollte aus Sicht des Lesers geschrieben sein. „Wir freuen uns, unsere neue Kollektion vorzustellen“ verliert gegen „Ihr neues Lieblingsstück ist da.“ Das Produkt ist dasselbe. Die Perspektive nicht.
Das passende Schema für jeden E-Mail-Typ
Willkommen und Produktlaunch: AIDA. Aufmerksamkeit, Interesse, Verlangen, Aktion. Erst der Aufhänger, dann die Begründung, zum Schluss ein einziger CTA.
Warenkorbabbruch und Win-back: PAS. Problem, Agitation, Solution. Die Lücke benennen, sie spürbar machen, die Lösung anbieten.
Markengeschichte und Kundenbindung: HEART. Hook, Empathy, Authority, Response, Trust. Langsamerer Aufbau, der sich langfristig auszahlt.
Ein CTA pro E-Mail. Mehrere Links machen die Entscheidung schwer. Wenn Sie wollen, dass jemand im Sale einkauft, führt jeder Link zum Sale. Wenn Sie wollen, dass jemand eine Bewertung liest, führt der eine Link zur Bewertung.
Die Kennzahlen, die zeigen, ob Ihre Strategie funktioniert

Die meisten E-Mail-Reports beginnen mit der Öffnungsrate. Dabei sagt gerade sie am wenigsten darüber aus, ob Ihre E-Mail-Marketing-Strategie etwas einbringt. Diese Kennzahlen geben ein ehrliches Bild.
Kennzahl | Benchmark | Was sie Ihnen sagt |
Umsatz pro Empfänger | 0,10–0,20 $ (Campaigns); ab 0,50 $ (Flows) | Tatsächliche Effizienz, unabhängig von der Listengröße |
Öffnungsrate | 37,39 % im Schnitt (Klaviyo 2025) | Betreffzeile und Absenderreputation |
Klickrate | 1,29 % im Schnitt | Relevanz der Inhalte und Klarheit des CTA |
Umsatzanteil der Flows | 30–40 % des gesamten E-Mail-Umsatzes | Ob die Automatisierung ihre Arbeit macht |
Listenwachstum | 5–10 % netto pro Monat | Ob der Kanal langfristig trägt |
Abmelderate | Unter 0,19 % | Passung von Inhalt und Zielgruppe, Versandfrequenz |
Der Umsatz pro Empfänger rechnet die Listengröße heraus und ist die aussagekräftigste Kennzahl für Effizienz. Bringen Ihre Flows 0,50 US-Dollar oder mehr pro versendeter E-Mail, macht die Automatisierung ihre Arbeit. Unter 0,20 US-Dollar gibt es Luft nach oben, meist bei der Segmentierung, beim Aufbau der Flows oder bei der Klarheit des CTA.
Ein System statt einzelner Campaigns
Eine E-Mail-Marketing-Strategie im E-Commerce ist keine Sammlung von Campaigns. Sie ist ein System: eine Liste mit den richtigen Kontakten, eine Plattform, die zu Ihrer Größe passt, fünf automatisierte Kern-Flows, eine Segmentierung, die jede Nachricht relevant macht, und Texte, die den Klick verdienen. Bauen Sie diese Bausteine der Reihe nach auf, dann bringt der Kanal Jahr für Jahr mehr. Jeder neue Abonnent landet in einem System, das ihn ohne manuellen Aufwand zum Kauf bewegt, zurückholt und hält.
Shops, die das richtig machen, brauchen BFCM nicht, um ihre Umsatzziele im E-Mail-Marketing zu erreichen. Sie erreichen sie das ganze Jahr über, Flow für Flow.
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